Einleitung


An dieser Stelle möchte ich mich zuerst einmal bei Dr. Jan Bill, Ph.D., senior researcher, Centre for Maritime Archaeology, Roskilde bedanken, dass ich die Bilder und Zeichnungen der Skuldelev 1-6 benutzen darf und dass er sich die Zeit nahm, diesen Artikel zu lesen und Verbesserungen vorzuschlagen. (Judith Schaller 2003)

 

Immer wieder stellt man sich die Frage, wie Wikinger so schnelle und elegante Schiffe gebaut und navigiert haben? Oder, warum waren die Wikinger so erfolgreich und wurden dennoch von den schweren und wesentlich langsameren Schiffen des Mittelalters verdrängt?

Zwei tausendjährige Schiffe, die man vor ca. 100 Jahren aus norwegischen Grabhügeln bei Oseberg und Gokstad ausgrub, wurden restauriert und werden im einem Gebäude von der Größe eines Doms, in Bygdøy bei Oslo ausgestellt. Diese beiden Schiffe (Schiff aus Gokstad und das sogenannte Oseberg-Schiff) aus dem 9. und 10. Jhrd. stellen wohl so etwas wie norwegische Königsyachten dar.

Woher bezieht man die Informationen über die Schiffe? Zum einen aus Funden, Sagas, Gedichte und Reiseberichte wie die König Alfreds, zum anderen von Holzschnitzereien, Steinbildern und dem Teppich von Bayeux. Die Deutung dieser Informationen ist jedoch schwierig. Ich persönlich stelle besonders zwei Quellen in Frage:

  • die Sagas: sie wurden erst etwa im 12. Jhrd. aufgeschrieben und enthalten vieles aus der Nach-Wikingerzeit.

  • Der Teppich von Bayeux: stellt Ereignisse, zwischen 1064 und 1066 in der Normandie und im Süden Englands dar. Ziemlich fest steht, dass der Teppich in Südengland gefertigt wurde, vielleicht für Erzbischof Odo von Bayeux. Außerdem wurde er nach 1066, wahrscheinlich um das Jahr 1082, angefertigt. Die Bilder könnten aus dem Gedächtnis rekonstruiert oder nach biblischen Vorbildern und literarischen sowie künstlerischen Vorlagen geschaffen worden sein.

Die Gelehrten streiten sich, ob der Expansionsdrang der Wikinger den Schiffsbau vorantrieb oder ob die verbesserten Methoden des Schiffsbaus den Grund für die Entdeckungen und Ausbreitung der Wikinger waren.

 

vielleicht nicht ausgelöst, so doch erst ermöglicht haben:

 

...Mit der Entwicklung des Segelschiffs und den verbesserten Techniken im Schiffsbau hängt eine oftmals unterschätzte Voraussetzung der wikingerzeitlichen Züge zusammen. Spätestens seit der Bronzezeit hatten sich die Skandinavier aufgrund ihrer topographischen Lage und des Zwanges zum Fischfang im Rahmen einer agrarischen Subsitenzwirtschaft enorme Praxis in Seefahrt und praktischen Navigation erworben. Dabei ist die oft diskutierte Frage nach skandinavischen Sonderkenntnissen (Kompass, Solarstein, Peilscheibe o.ä.) eher von sekundärem Interesse. Schließlich ließen sich die Nord- und Ostsee ebenso wie die Deutsche Bucht, der Ärmelkanal oder die irische See mehr oder weniger problemlos mit Mitteln der terrestrischen Navigation und nur rudimentären Kenntnissen der astronomischen Navigation befahren. Angesichts der seemännischen und navigatorischen Praxis der Skandinavier stellten also Fahrten nach Friesland, England oder Nordfrankreich keine sonderlich großen Herausforderungen dar. Weiterführende Reisen, wie die nach Grönland oder Vinland, oder durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer bis Italien oder Jerusalem werden dagegen in den mittelalterlichen Quellen ob ihrer Seltenheit immer gesondert hervorgehoben. Ebenfalls häufig übersehen, ist das skandinavische Erbrecht, das auf dem Erstgeburtsrecht beruhte. Unsicher ist jedoch, welche Rolle dabei im Skandinavien der Wikingerzeit das Seniorat spielte, bei dem der jeweils älteste der gerade Erbberechtigten zum Zuge kommt – also etwa der Onkel vor dem Sohn. Die übliche germanische Erbteilung, derzufolge der älteste Sohn das ganze Land bekam, während der bewegliche Besitz aufgeteilt wurde, konnte in einer kinderreichen Gesellschaft ebenfalls Auslöser sozialer Spannungen sein. Es gibt tatsächlich keine archäologischen Hinweise, die für eine Überbevölkerung Skandinaviens im 8. oder 9. Jhrd. sprechen würden, auch keine Spuren von plötzlich ansteigender Sterblichkeit auf Grund von Unterernährung oder Seuchen...[die den Expansionsdrang erklären würden. Anm. des Verfassers]

 

(aus: Rudolf Simek: Die Wikinger)